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"Leipzig liest!"
Korporationsstudentische Literatur auf der Leipziger Buchmesse 2009
Geschrieben von Wolfgang Gäbler
(Burschenschaft Vandalia Hamburg, BDIC et Burschenschaft Cheruscia Dresden, DB)
Einst war Leipzig die Buch- und Verlagsstadt in Deutschland schlechthin. Nach der Wiedervereinigung konnte an diese Bedeutung trotz Messeneubau nicht wieder angeknüpft werden. Viele alte Leipziger Verlage sind nach dem Zweiten Weltkrieg und der deutschen Teilung in Westdeutschland heimisch geworden, und die Frankfurter Buch-messe im Herbst hat sich zur größten Bücherschau der Welt entwickelt. Doch während am Main das Verlagsgeschäft mit dem Buch dominiert, steht auf der im Frühjahr stattfindenden kleineren Leipziger Buchausstellung der Leser weit stärker im Mittelpunkt; daher auch das Motto: "Leipzig liest!". An den vier Messetagen werden in nahezu 300 Veranstaltungen Bücher und Autoren in Lesungen und Gesprächsrunden in unablässiger Folge bis spät in die Nacht vorgestellt. Nicht zuletzt dadurch erreicht Leipzig eine Leserfreundlichkeit, mit der Frankfurt nicht aufwarten kann. Deshalb hat der Convent Deutscher Akademikerverbände (CDA) - der Zusammenschluß der meisten deutscher Korporationsverbände - Leipzig als Ausstellungsort für korporationsstudentische Literatur gewählt. Vom CDA wird der Messestand organisiert, von den Verbänden und ihnen nahestehenden Verlagen werden die Exponate bereitgestellt.
Vom 12. bis zum 15. März 2009 nahm der CDA in Leipzig nach dreijähriger Pause wieder an der Buchmesse teil. Die Standleitung oblag dem Autor. Etwa 50 Bücher, dazu Broschüren und zahlreiche Verbandszeitschriften füllten die Regale recht ansehnlich. Mit größeren Anteilen waren allerdings nur der Coburger Convent und die Deutsche Burschenschaft vertreten. Von den anderen Verbänden waren leider nur vereinzelt Bücher eingesandt worden. Der größte Teil der ausgestellten Bücher ist im WJK-Verlag in Hilden von Kurt U. Bertrams und im SH-Verlag in Köln erschienen.
An allen vier Messetagen fand der CDA-Stand reges Interesse. Während die Stände manch anderer Aussteller nur wenig Besucher hatten, herrschte beim CDA nahezu ständig Betrieb. Studentenverbindungen hatte man wohl eher beim Bier erwartet, als daß aus deren Reihen Bücher hervorgebracht werden. Das verwunderte manchen Standbesucher und brachte wohl einige Vorstellungen über Korporationen ins Wanken. Es kamen nicht nur Aktive und Alte Herren mit vielen Fragen an den Stand, sondern auch viele Messebesucher, denen das Verbindungswe-sen fernsteht oder gar suspekt erscheint, waren sehr interessiert. Besonders erfreulich war, daß eine ganze Reihe von Abiturienten und Studenten kam und Interesse an Verbindungen zeigte. So hatte das Standpersonal immer gut zu tun. Neben einigen Alten Herren, die teils in der Buchbranche tätig sind bzw. waren, stach besonders die charmante Unterstützung durch zwei Damenverbindungen ins Auge, die teilweise mit drei Aktiven die Besucher betreuten.
Das Interesse richtete sich vielfach zuerst auf eine Reihe von Faltblättern, die in einem vorstehend positionierten Ständer lag. Auch das Teilcouleur tragende Standpersonal erweckte Aufmerksamkeit. Als besonderer Blickfang erwies sich jedoch das Buch "Studentenverbindungen in der DDR". Es ist mit einem Bild auf der Umschlagseite versehen, das aus dem Wappen der DDR abgeleitet ist. Wohl deswegen sprang es vielen vorübergehenden Bücherfreunden besonders ins Auge. Der Titel tat sein übriges - und schon wurde es aus dem Regal genommen. Bei keinem Buch in der näheren Standumgebung war das in ähnlicher Weise zu beobachten. Durch eine freundliche Ansprache kam fast immer ein längeres Gespräch zustande, in das man dann auch andere Bücher und Themen mit einbeziehen konnte.
CDA - Mitgliedsverbände haben bei allen Messeauftritten im eingangs erwähnten Rahmenprogramm der Messe durch einen Beitrag mitgewirkt. Hier dürfte noch besonders das Zusammentreffen zweier Nachkommen der Fami-lien Sand und Kotzebue in Erinnerung sein. Auch heuer war man bemüht in einer Veranstaltung das Buch in den Mittelpunkt zu stellen. So wurden aus Anlaß der 650 Jahrfeier der Universität Prag und der 600 Jahrfeier der Universität Leipzig zwei Bücher zu diesem Themenkreis vom Autor, Dr. Harald Lönnecker, Leiter von Archiv und Bücherei der Deutschen Burschenschaft vorgestellt;
" "… freiwillig nimmer von hier zu weichen …" - Die Prager deutsche Studentenschaft 1867 - 1945" und "Zwischen Völkerschlacht und Erstem Weltkrieg - Verbindungen und Vereine an der Universität Leipzig im 19 Jahrhundert". Auch diese Veranstaltung war Teil des offiziellen Rahmenprogramms "Leipzig liest!"
Druckfrisch waren zur Messe die beiden Neuerscheinungen "Seelenheimweh", ein Roman über Carl Ludwig Sand von Marlene Möller, und "Die Deutsche Burschenschaft in ihrer Zeit", eine synoptische Darstellung der burschenschaftlichen Geschichte im Kontext der deutschen Geschichte von Hans-Georg Balder erschienen. Auch "Der Leipziger Student", eine Darstellung von W. Bruchmüller aus dem Jahr 1909, lag in einem von Gerd Fritzsche heraus-gebrachten Nachdruck neu vor. Es lag nahe, auch diese drei Bücher noch vorzustellen, so daß es berechtigt ist, von einer sehr gelungenen Buchpräsentation zu sprechen.
Nach soviel Buch darf der Student auch feiern. Gleich zwei feierliche Abendveranstaltungen waren für den Sonn-abend angesetzt. Wegen des ausgezeichneten Erfolges des Messeauftritts, beschloß der CDA-Vorstand, auf dem gleichzeitig in Leipzig durchgeführten Frühjahrsconvent, die Fortsetzung im kommenden Jahr. Vom Donnerstag, den 18. März bis Sonntag, den 23. März 2010 heißt es dann auch für die korporationsstudentische Literaturszene wieder, "Leipzig liest!".
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